Der Bio-Technopark auf dem ehemaligen Wagi-Areal ist einer der Leuchttürme des Standortes Schlieren geworden. Bild: Bio-Technopark Schlieren-Zürich

Schlieren hat sich erfolgreich neu erfunden

30. April 2019 13:39

Bern - Die Stadt Schlieren hat den Strukturwandel gut bewältigt und die Deindustrialisierung mit dem gezielten Aufbau neuer Arbeitsplätze beantwortet. Das zeigt eine Masterarbeit der Universität Bern. Auch das mit Schlieren verglichene Spreitenbach hat Potenzial, muss es aber aktiv nutzen.

Alain Caba vergleicht in seiner Masterarbeit „Die Arbeitsmarktentwicklung in kleinen und mittleren Schweizer Städten: Ein qualitativer Vergleich von Schlieren und Spreitenbach“ die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Limmattaler Gemeinden in den vergangenen Jahrzehnten. Er zeichnet nach, wie Schlieren besonders hart vom Strukturwandel getroffen wurde. Doch bereits mit der Schliessung der Waggon-Fabrik 1985 setzten Versuche ein, eine Antwort auf die Deindustrialisierung zu finden. Caba nennt insbesondere die Übernahme des grösseren Teils des Wagi-Areals durch das Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren. Dessen 2015 verstorbener Chef „Leo Krummenacher hatte gemeinsam mit Albert Schweizer, dem später ernannten Wirtschafts- und Standortförderer der Stadt Schlieren, die weitsichtige Vision, Start-up-Unternehmen aus der Biotechnologie-Branche in Schlieren anzusiedeln“. 2002 entstand daraus das Biotechnologie-Center Schlieren 2002, der heutige Bio-Technopark. „Schlieren ist hinter Basel im Bereich Biotechnologie zum zweitwichtigsten Schweizer Standort aufgestiegen“, so Caba, der die Masterarbeit am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern geschrieben hat.

Der Erfolg setzte nicht sofort ein: Schlieren erlebte von der Mitte der 90er Jahre bis in die Nullerjahre ein Jahrzehnt der Stagnation. Doch die Stadt reagierte aktiv. 1998 wurde eine Teilzeitstelle für die Wirtschafts- und Standortförderung geschaffen. Ziel war es, die Immobilien-Leerbestände abzubauen, zu einem attraktiven Umfeld für innovative Unternehmen beizutragen und Firmen anzusiedeln. Private Initiativen kamen hinzu: Die Halter AG setzte erfolgreich auf den Aufbau eines Automobilclusters, 2010 kam der Building Technology Park, der Verein Start Smart Schlieren als Inkubator für Jungunternehmen 2013 und der startup space Schlieren 2016. Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze stieg von 8586 im Krisenjahr 1985 auf etwa 15.200 im Frühjahr. Seit Mitte der Nullerjahre wurden auch wieder neue Wohnungen etwa im Areal amRietpark gebaut. Schlieren wurde zu einer der am schnellsten wachsenden Gemeinden des Kantons. 2018 fiel sie erstmals aus dem kantonalen Finanzausgleich.

Anders Spreitenbach. Das Dorf war durch den ab 1966 errichteten Rangierbahnhof der SBB geteilt worden, erlebte aber mit der Eröffnung des Shoppi Tivoli 1970 einen Aufschwung als Einkaufszentrum und mit der Ansiedlung von Unternehmen in den 70er und 80er Jahren ein kontinuierliches Wachstum. Doch der Aufstieg zu einem städtischen Zentrum im Limmattal blieb aus. Dennoch gibt Caba, der selbst aus Spreitenbach stammt, dem Dorf gute Chancen. „Heute stehen die Vorzeichen gut, dass sich Spreitenbach zu einer attraktiven Stadt mit einer verbesserten verkehrstechnischen Anbindung entwickelt“, sagt er in einem Gespräch mit der Limmatstadt. „Dies bedingt aber die kontinuierliche Imagepflege hin zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Zudem ist zu wünschen, dass die Zusammenarbeit und Entwicklung mit anderen Städten des Limmattals beidseitig der Kantonsgrenze weiter verstärkt wird.“

Die 2014 gegründete Limmatstadt AG kann dabei laut Caba eine wichtige Rolle spielen, namentlich bei der Imagepflege und der Vernetzung der involvierten Akteure. stk 

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