KMU erwarten mittelfristig positive Konjunktur

02. Juli 2020 12:11

Zürich - Fast zwei Drittel der Schweizer KMU sind stark bis sehr stark von der Corona-Krise betroffen. Das geht aus der Mittelstandstudie hervor, die swiss export mit Raiffeisen und Kearney veröffentlicht hat. Als grösstes Konjunkturrisiko sehen die KMU die Wechselkurse.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise dämpfen den traditionellen Optimismus der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Schweiz. Im vergangenen Jahr beurteilten noch 70 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als gut oder sehr gut, jetzt nur noch knapp über 40 Prozent. Das geht aus der diesjährigen Mittelstandstudie des Verbandes swiss exportKearney und Raiffeisen hervor. Die Raiffeisen-Ökonomen hatten bereits Mitte März eine tiefe Delle in der Schweizer Wirtschaft vorausgesagt. Fast zwei Drittel der 120 befragten Unternehmen sehen sich laut der Medienmitteilung stark bis sehr stark von der Corona-Krise betroffen.

Ebenso viele, zwei Drittel, gehen allerdings davon aus, dass die Krise ihr Geschäft nur ein knappes Jahr negativ beeinflussen werde. So beurteilt mehr als die Hälfte die künftige wirtschaftliche Lage mittelfristig, etwa in den nächsten drei Jahren, als gut bis sehr gut. Urs Gauch, Leiter Firmenkunden und Niederlassungen und Geschäftsleitungsmitglied von Raiffeisen Schweiz, kommentiert das: „Die Umfrageergebnisse zeigen einmal mehr, wie innovativ die Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer sind. Damit dies so bleibt und sie gegen zukünftige globale Krisen gewappnet sind, empfehle ich den exportorientierten KMU, die Risiken zu minimieren. Zum Beispiel indem sie die Devisen absichern und eine Exportrisiko-Versicherung abschliessen. Nicht absichern ist gleichbedeutend wie spekulieren.“

Die Volatilität der Wechselkurse wird in der Befragung als sehr hohes konjunkturelles Risiko für die kommenden zwölf Monate gesehen. Hier sei auch der Bundesrat gefordert. Für über 60 Prozent der Befragten – doppelt so viel wie im Vorjahr – stellt die Schuldenkrise Europas das grösste Konjunkturrisiko dar. Danach stehen auf der Liste der Risikobewertungen der Protektionismus mit 42 Prozent, das Abkühlen der Beziehungen zwischen Schweiz und Europäischer Union (EU) mit 39 Prozent und ebenso stark (39 Prozent) die globalen Gesundheitsrisiken. Es folgen die nachlassende Exportdynamik (38 Prozent) und die Volatilität der Wechselkurse mit 36 Prozent.

Unter den wichtigsten Einflussfaktoren für die Wirtschaft steht nach Ansicht der KMU die Beherrschung technologischer Trends mit 81 Prozent ganz oben, gefolgt von Cyber- und Datensicherheit, globale Gesundheitsrisiken, stärkeres Umweltbewusstsein und die Unterbrechung globaler Wertschöpfungsketten.

Claudia Moerker erwartet dennoch, dass die Schweizer KMU die Situation meistern werden. „Die wettbewerbsfähige Differenzierung durch Innovation ist bei vielen Schweizer Unternehmen tief in der DNA verwurzelt“, sagt die Geschäftsleiterin von swiss export. Sie verweist darauf, dass eine deutliche Mehrheit der befragten Schweizer Exportunternehmen angegeben hat, verglichen mit anderen Unternehmen überdurchschnittlich viel in Innovation zu investieren. „Dem Standort Schweiz und der Marke Schweiz wird nach wie vor eine hohe Bedeutung beigemessen“, so Moerker. „Dafür müssen seitens der Politik aktiv stabile makroökonomische Bedingungen geschaffen werden, um die Exportwirtschaft nachhaltig zu unterstützen.“ gba 

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